| Dr. med. Hansheinrich Kolbe | ||||
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Intelligent altern - Präventivmedizin |
Sind Sie so jung, wie Sie sein könnten? Wie wir in Zukunft alt werden . 2 |
Sonntag, 13. Mai 2007, München „ Hallo Doc, ich habe eine Frage. Was war für Dich während der drei Kongress-Tage die interessanteste Begegnung?“ „ Eindeutig Canto, 26 Jahre alt, Katrin.“ „ Darf ich fragen, wer dieser Canto ist?“ Meine Schwester Katrin – sechs Enkelkinder – ist sehr jugendlich geblieben, sowohl optisch, als auch mental. „ Canto sieht blendend aus, ist schlank, voller Elan und hat - trotz seines hohen Alters - noch ein dichtes, seidiges Fell…für Rhesusaffen sind 26 Jahre ein hohes Alter. Prof. Huber, einer der weltweit erfahrensten Endokrinologen, hat uns Canto und seinen Kumpel Owen während seines Vortrages „Was kommt?“ vorgestellt. Neben dem jugendlich wirkenden Canto hing Owen, 22, mit hängenden Schultern, müden Augen und Schmerbauch hinfällig in seinem Quartier. Als ich Owen gestern eine Mango anbot, erhob er sich schwerfällig und streckte seine zittrige Hand nach der tropischen Frucht. Sein Fell war struppig, teils mit kahlen Stellen, und sein Gesicht faltig.“ „ Und welches ominöse Geheimnis steckt hinter Canto und Owen, Herr Professor?“ „ Wir, meine Schwester Katrin, meine Frau Sylvia, Prof. Huber und ich, haben es uns - leicht angeschlagen von den interessanten, aber auch anstrengenden Kongresstagen der „Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin“- heute Abend im „Käfer“ in der Prinzregentenstraße gemütlich gemacht. Ein Chateau Canon-la-Gaffelière, grand cru classé 1995, ist bereits decantiert. „ Das Geheimnis der beiden Rhesusaffen erkläre ich Ihnen gerne, Katrin. Forscher des Wisconsin National Primate Research Centers in Madison, USA, haben 30 Affenbabys in zwei Gruppen eingeteilt: 15 Tiere hatten allen Luxus, von dem Affen so träumen, und futtern durften sie soviel wie sie wollten. Die 15 anderen mussten sich mit 30 Prozent weniger Kalorien begnügen und wurden von „Personal Trainers“ angehalten, sich viel und oft von Ast zu Ast hangeln.“ „ Lassen Sie mich raten: Owen und die anderen Schlemmer-Affen setzten bald Bäuche an, nicht wahr?“ „ Nicht nur das, Sylvia. Die No-Workout-Affen, die tüchtig reinhauen durften, hatten nicht nur 70 Prozent mehr Fett am Leib, sondern erkrankten auch auffallend häufig an Diabetes, Krebs, Schlaganfall und Demenz. Folge: Die Vielfraße wurden auch früher dahingerafft als ihre drahtigen Artgenossen. „ Ich schlage vor, wir machen heute Abend „Dinner-Canceling“ und trinken nur den herrlich samtigen Bordeaux“, spöttele ich ein bisschen ironisch, wie es so meine Art ist. Zu Ihrer Erklärung: Prof. Huber – er forscht und lehrt an der Universitätsfrauenklinik in Wien - ist ein eifriger Verfechter des Dinner-Cancelings. Um 17 Uhr eine Tasse grüner Tee (japanischer bitte, kein chinesischer, der ist oft ein Pestizid-Cocktail) und dann nichts essen bis zum nächsten Morgen, und das einmal pro Woche. Was geschieht? Es kommt nachts zu einer leichten Unterzuckerung. Und das ist das stärkste Stimulanz für die vermehrte körpereigene Produktion von Wachstumshormon, dem “Forever-Young-Hormon“. Unser Fettanteil schwindet und der Muskelaufbau wird stimuliert. „ Ist es denn wissenschaftlich bewiesen, dass dieser freudlose Verzicht auch für den Homo sapiens taugt, Herr Professor?“ „ Wir nennen dieses Kohldampf schieben „kalorische Restriktion“ und meine wissenschaftlich bewiesene Formel lautet: Wer 30 Prozent weniger isst, lebt 30 Prozent länger und wichtiger noch: Sie werden gesund, intelligent und glücklich älter. Sie haben auch als grauer Panther noch günstige Insulin- und Hormonwerte, weniger schädliche Blutfette und weniger Schäden im Erbgut. Die kalorische Restriktion schaltet einen uralten Überlebensmechanismus an: Die Körpertemperatur sinkt geringfügig und Schäden in unseren Zellen werden repariert.“ „ Gibt es keinen anderen Weg, die Vorteile des Fastens zu erlangen, ohne dafür leiden zu müssen, Doc?“ „ Seit kurzem ja, Katrin. Ein ganz heißes Forschungsthema sind zurzeit Enzyme, die wir Sirtuine nennen. Sie scheinen so eine Art Jungbrunnen zu sein. Es sind die einzigen Stoffe, wie wir bisher kennen, die negative Alterseffekte ausgleichen und so unsere Zellen verjüngen können. „ Und wie funktioniert das?“ „ Sirtuine stärken generell die Gesundheit, wirken indirekt Entzündungen entgegen und verzögern den Zelltod. Nach einigen Stunden ohne Nahrung lässt ein Gen die Produktion von Sirtuinen anlaufen und, was das Team von Dr. Sinclair in Havard vor einigen Jahren entdeckte, verschiedene pflanzliche Moleküle können dies ebenfalls, unter ihnen auch das Resveratrol, der Superstoff in den Schalen von roten Weintrauben. Resveratrol kommt übrigens auch in Granatäpfeln vor, die bereits Imhotep im alten Ägypten und auch die Bibel als Symbol für die Schönheit anführen. „ Bleiben deswegen viele Südfranzosen und Spanier bis ins hohe Alter gesund?“ „ Der faszinierende Wunderstoff Resveratrol erklärt sicher zum Teil das “Französische Paradoxon“: Die Menschen dort essen viel Butter, Eier, Crème fraiche und gestopfte Gänseleber, trinken viel Rotwein und haben bei diesem Lifestyle die niedrigste Herzinfarkt-Quote in Europa.“ „ Santé, my friends. Nehmen wir morgen den Flieger nach Toulouse?“ Was wir im Eifer unserer Diskussion nicht bemerkt haben: Am Nebentisch sitzt – in der beneidenswert aufrechten Haltung eines Balletttänzers – Bruce Darnell, heimlicher Star der Pro-Sieben-Castingshow „Germany's Next Topmodel“, weißes Hemd, Jeans, sehr dünn, vor einer Tasse grünen Tees…leider ohne Scharfrichterin Heidi Klum und ohne Barbara, Hana und Anni. „Isch habe Euch schon lange zugehört, alles was Ihr sagt, ist der Wahrheit.“ Wir brüllen los vor Lachen und sogar Angelika Mester-Witt, die Agentin von Bruce, verzieht ihre Lippen zu dem Versuch eines Lächelns. Selbst Bruce weint heute Abend keine bitter-süßen Tränen! Wir heben unsere mit dem samtigen St. Emilion gefüllten Gläser und prosten unseren putzigen Tischnachbarn zu: „Santé Resveratrol, das ist der Wahrheit“… und vergesssen ist das Dinner-Canceling. |
| Dr. med. Hansheinrich Kolbe |