Dr. med. Hansheinrich Kolbe
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Intelligent altern - Präventivmedizin

 

Grippe oder Erkältung

 

15. Februar 2007 (Weiberfastnacht), Karlsruhe

„ Hallo Doc, ich habe eine Frage. Ich habe heute Nacht wegen fürchterlicher Kopf- und Halsschmerzen keine Minute geschlafen und bin jetzt schon in diesem Winter, der keiner ist, zum dritten Mal an Grippe erkrankt. Ist das eigentlich normal?“

Nadine Erol, 25, sieht wirklich nicht wie das blühende Leben aus: Ihre Nase trieft, in ihrem sonst so hübschen Gesicht haben sich Falten gebildet und ihre Unterlippe ziert ein kleines Herpesbläschen. Wir haben uns, um dem Schmuddelwetter am „schmutzigen Donnerstag“ zu entgehen, in ein Café in der Post Galerie am Karlsruher Europaplatz gerettet. Übrigens ganz am Rande: Haben Sie schon gehört, dass die Post Galerie kürzlich in den Besitz der Luxemburger Firma P.F.Retail übergegangen ist? Attraktive Töchter werden eben rasch vom Markt weggeheiratet.

„ Sie haben gar keine Grippe, Nadine, sondern eine massive Erkältung.“

Ich hatte vor einer Stunde einen speziellen 10-Minuten-Schnelltest in einem Labor durchführen lassen und eben per Handy Entwarnung bekommen: Bei Nadine liegt erfreulicherweise keine Grippe, vor.

Nadine fröstelt: „ Und wo ist da der Unterschied und spielt er für mich – Sie sehen doch, Doc, wie sehr ich leide – überhaupt eine Rolle?“

„ Und wie, Nadine! Der Unterschied zwischen Grippe und Erkältung ist erheblich: Beide Krankheiten haben verschiedene Symptome, werden durch unterschiedliche Erreger verursacht und werden deshalb auch unterschiedlich therapiert. Im allgemeinen Sprachgebrauch verwechselt man diese Erkrankungen häufig verwechselt und, um es noch verwirrender zu machen: Diese normale Erkältung, die Sie jetzt so quält, wird korrekt als „grippaler Infekt“ bezeichnet.“

„ Jetzt verstehe ich gar nichts mehr, Doc. Ich wollte mich heute Abend auf der Weiberfastnacht amüsieren und in einer Woche in die Türkei fliegen, um die Hotelanlagen zwischen Antalya und Alanya zu testen. Und jetzt muss ich alles canceln.“

Nadine ist bei einem großen deutschen Touristikunternehmen tätig und besucht - beruflich bedingt - auch häufig Länder in den Tropen. Bei der Rückkehr ins kühle Deutschland ist sie dann natürlich für Erkältungen besonders anfällig.

„ In einer Woche sind Sie wieder topfit und können die türkische Riviera genießen, wenn Sie ab sofort Ihr Immunsystem hochpowern. Das macht man mit vitalstoff- reichem Essen, viel Schlaf, Vitamin C und Zink und Omas Hühnersuppe.“

„ Jetzt machen Sie sich lustig über mich, Doc.“

„ Überhaupt nicht! Die gute alte Hühnersuppe ist die beste Medizin gegen jede Erkältung. Sobald sich jemand in unserer Familie erkältet hatte, schlachtete meine Großmutter – ich liebe sie noch heute abgöttisch – ein Huhn und kochte mit frischen und würzigen Zutaten wie Lauch, Möhren, Sellerie, Petersilienwurzel, Zwiebeln und einem kräftigen Weißwein einen Zaubertrank, der fast blitzartig Triefnasen und Hals- schmerzen linderte. Erst kürzlich haben Wissenschaftler des berühmten Mount Sinai Medicale Centers in New York herausgefunden, dass das Cystein – eine Aminosäure, die eine starke Wirkung gegen Entzündungen der Atemwege aufweist – reichlich in der selbstgeköchelten Hühnersuppe vorkommt. Zusätzlich aktiviert Hühnersuppe das leistungshormon Noradrenalin. Knorr's Suppenwürfel tun dies aber nicht!“

„ Cool, Doc, das höre ich zum ersten Mal. Und was halten Sie von der Grippeimpfung?“

„ Sehr viel, Nadine. Sie wirkt allerdings nicht gegen Erkältungen, verhindert dafür aber

weitgehend, dass man an einer gefährlichen Grippe erkrankt.“

„ Die habe ich – wie Sie getestet haben – erfreulicherweise nicht.“

„ Stimmt! Influenzaviren, die Erreger der echten Grippe, vermehren sich in den Zellen der Atemwege explosionsartig: Innerhalb von 6 Stunden können aus einem Virus 1500 neue entstehen, daher das plötzlich auftretende Fieber, das über 40 Grad steigen kann. Normale Erkältungen dagegen verlaufen meistens ohne eine Erhöhung der Körpertemperatur. Deswegen habe ich den Schnelltest bei Ihnen durchführen lassen. Denn die neuen Wunderwaffen „Tamiflu“ und „Relenza“ wirken nur, wenn sie ganz am Anfang einer Influenzainfektion eingenommen werden.“

„ Wow! Angst habe ich aber auch um meine Schwester Kristin, die ist im zweiten Monat schwanger, und alle unsere Freundinnen sagen, dass die Grippeimpfung dem ungeborenen Baby schaden könne.“

„ Da kann ich Kristin beruhigen. Zwar haben Schwangere ein erhöhtes Risiko, sich mit Influenzaviren anzustecken. Aber die Impfung kann während der gesamten Schwangerschaft ohne Schaden für das ungeborene Kind vorgenommen werden. Nur ein Tipp noch, Nadine: Das Beste und sicherste, überhaupt nicht krank zu werden, ist Vorbeugung, ist Prävention. Bewegen Sie sich viel an der frischen Luft und lassen Sie den vitalstoffleeren Müll in den Regalen der Supermärkte und in den Fastfoodküchen. Und machen Sie nicht den Leichtsinnsfehler, den ich 1981 begangen habe, als ich aus dem 42 Grad heissen Carneval in Rio in das klirrend kalte Winter- deutschland zurückgekommen bin und faschingsmäßig leicht bekleidet weitergefeiert habe: In dieser Karlsruher Fasenacht habe ich mich damals stark erkältet…seitdem nie wieder.“

Dr. med. Hansheinrich Kolbe